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Schweizer HIV-Präventionspolitik bei intravenös drogenkonsumierenden Menschen ist ein Erfolgsmodell

Die pragmatische Schweizerische Präventionspolitik bei intravenös drogenkonsumierenden Menschen ist ausserordentlich erfolgreich. Dank verschiedener schadensmindernder Massnahmen konnten tausende HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen verhindert werden. Das zeigt eine vom UniversitätsSpital Zürich und der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie durchgeführte Analyse.

Forschende des Universitätsspitals Zürich konnten den Erfolg von Präventionsmassnahmen zur Verhinderung der HIV-Übertragung durch intravenösen Drogenkonsum in der Schweiz dokumentieren und quantifizieren. Grundlagen dafür waren ein mathematisches Modell sowie detaillierte klinische, virusgenetische und epidemiologische Daten aus der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie. Analysiert wurden Massnahmen, die Schäden mindern sollen wie Spritzenabgabe, Methadonprogramme, Heroinprogramme sowie Kontakt- und Anlaufstellen für Drogenabhängige. Marzel und Kollegen konnten mit ihrer Arbeit zeigen, dass diese Massnahmen in der Schweiz insgesamt über 15’000 HIV-Infektionen unter Drogenkonsumenten verhindert haben. «Da früher die HIV-Epidemie von intravenös Drogenkonsumierenden kontinuierlich durch sexuelle Übertragung in die Gesamtbevölkerung hineingetragen wurde, verhinderten die Präventionsmassnahmen indirekt auch mehr als 2’500 HIV-Infektionen bei Personen, die nicht intravenös Drogen konsumieren», sagt Prof. Roger Kouyos, der Leiter der Arbeit, die kürzlich in der Zeitschrift Open Forum Infectious Diseases publiziert wurde.

Bedeutung für die öffentliche Gesundheit

Die Auswertung von Marzel und Kollegen dokumentiert nicht nur den Erfolg der pragmatischen Schweizerischen Präventionspolitik, sondern belegt zudem, dass durch die Schadensminderung und die Präventionsmassnahmen auch die Gesamtbevölkerung vor HIV-Infektionen geschützt wird. Zusätzlich zeigt die Analyse den Wert, den die Schweizerische HIV-Kohortenstudie hat. «Ohne die Daten aus der vor 30 Jahren gestarteten Kohorte wäre eine derart detaillierte, quantitative Analyse nicht möglich gewesen», sagt Prof. Kouyos.

Auch ohne ausführliche Kostenanalyse liegen die wirtschaftlichen Implikationen auf der Hand: Rechnet man die Behandlung von 17’000 HIV-Infizierten mit einem konservativen Kostenansatz von 20’000 Franken pro Infektion hoch, würden diese das Schweizerische Gesundheitswesen mit rund 340 Mio. Franken im Jahr belasten. Dank der Präventionsmassnahmen wurden somit in den letzten zehn Jahren vermutlich über 3.4 Mia. Franken an Behandlungskosten eingespart. Die Resultate der Datenanalyse zeigen die Wirksamkeit der Präventionsmassnahmen. Diese sind aber leider international immer noch umstritten, vor allem in Osteuropa. In vielen Ländern werden zudem gar keine Präventionsmassnahmen angeboten. «Die Übertragung von HIV durch intravenösen Drogenkonsum wäre wahrscheinlich mit Hilfe der Präventionsmassnahmen in den meisten Fällen vermeidbar. Mit Blick auf die Tatsache, dass weltweit 1.7 Mio. Personen, die intravenös Drogen konsumieren, mit HIV infiziert sind und rund 30 Prozent der Neuinfektionen ausserhalb der Region Subsahara-Afrika in dieser Gruppe auftreten, ist dies eine weitere wichtige Erkenntnis aus unserer Arbeit», sagt Dr. Alex Marzel, der Erstautor der Arbeit.

Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie besteht seit 30 Jahren und verfügt über anonymisierte Daten von mehr als 20’000 HIV-Infizierten Menschen und eine Biobank mit mehr als 1.5 Millionen Blutproben. An der Kohorte beteiligt sind alle Universitätsspitäler der Schweiz, mehrere Kantonsspitäler sowie spezialisierte niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Das grösste Zentrum befindet sich in Zürich.

Publikation

The cumulative impact of harm reduction on the Swiss HIV epidemic: cohort study, mathematical model and phylogenetic analysis; Open Forum Infectious Diseases, 1 May 2018.Medienmitteilung als Druckversion (PDF)
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